08/08/2017

Anreize für ältere Mitarbeiter

Die Angehörigen der Nachkriegsgeneration sind seit Jahrzehnten Teil der Arbeitnehmerschaft – und haben nicht vor, diese so schnell zu verlassen. Wie können Unternehmen das Beste aus dieser Gruppe von Arbeitnehmern herausholen? Die Antwort: durch flexible Arbeitszeiten, den Ansprüchen dieser Generation entsprechende Prämien und Anerkennungsleistungen sowie durch Möglichkeiten, das eigene Wissen an jüngere Kollegen weiterzugeben.

Älterer Mitarbeiter im Dialog mit Kollegen

Ihre wilden Jahre mögen die Vertreter der Nachkriegsgeneration hinter sich haben, doch als Teil der Arbeitnehmerschaft machen diese Frauen und Männer auch heute noch von sich reden.

Bereits in vielen anderen Lebensbereichen ist diese Generation in der Vergangenheit stets ihren eigenen Weg gegangen. Jetzt widersetzt sie sich auch bei der Frage nach dem Ruhestand allen Erwartungen. Von wegen Pantoffeln und Schaukelstuhl: In den USA wollen 66 Prozent der sogenannten Babyboomer auch nach dem 65. Lebensjahr weiterarbeiten oder tun dies bereits. Viele planen sogar, sich überhaupt nicht zur Ruhe zu setzen[1]. Zum großen Teil ist diese Entscheidung den hohen Lebenshaltungs- und Gesundheitskosten sowie den Kosten für die universitäre Ausbildung der Kinder geschuldet. In Europa sieht die Situation etwas anders aus. Hier sorgt die staatlich finanzierte Gesundheits- und Altersvorsorge dafür, dass mehr ältere Arbeitnehmer in Rente gehen werden als in den USA.

 

Ein enormer Wissensschatz

Diese Generation hat ihren Arbeitgebern neben anderen Vorstellungen von Bedürfnissen und Ansprüchen aber auch eine Menge zu bieten. Ältere Arbeitnehmer haben in den Jahrzehnten ihrer Berufstätigkeit oft ein beträchtliches Wissen über ihre Branche – und bei langer Unternehmenstreue auch über ihre Firma – angehäuft. Zunehmend beginnen Arbeitgeber, dieses Know-how zu schätzen und es jungen, vielversprechenden Betriebsangehörigen durch Mentoringprogramme zur Verfügung zu stellen. Manche Firmen gewinnen ältere Führungskräfte, die sich in den Ruhestand verabschieden möchten, als Berater in Teilzeit, die ihre Nachfolger schulen und so für einen problemlosen Übergang sorgen.

 

Bedürfnis nach Flexibilität

Wenn Unternehmen den Wert ihrer älteren Mitarbeiter also erkannt haben, was können sie tun, um ihre Motivation zu fördern? Sie sollten die Bedürfnisse kennen, die diese Generation im Vergleich zu jüngeren hat – allen voran das Bedürfnis nach flexiblen Arbeitszeiten. Einer Studie von Harvard Business Review[2] zufolge wird eine flexible Arbeitszeitgestaltung von 87 % der Angehörigen dieser Altersgruppe als wichtig empfunden. Grund dafür ist zum einen, dass diese Personen in der Familie gleich für mehrere Generationen Verantwortung tragen (71 Prozent), zum anderen, dass viele sich auch im fortgeschrittenen Alter noch für eine bessere Welt engagieren: 55 Prozent der Befragten gaben an, als Freiwillige in Umweltschutz, Kultur, Bildung oder anderen Bereichen tätig zu sein.

 

Die richtige Art der Anerkennung

Eine andere Form der Motivation sind Anreiz- und Prämienprogramme, ein Bereich, in dem die Vorstellungen von denen der jüngeren Angestellten abweichen. So ergab eine Umfrage von World at Work, dass Angebote zur Karriereentwicklung von jüngeren Arbeitnehmern stärker geschätzt werden als von älteren[3]. Dementsprechend sollten Leistungen und Anreize an das Profil Letzterer angepasst werden. Nach einem von Sodexo herausgegebenen Bericht[4] dürften Mitarbeiter jenseits der 60 – im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der Generation der Millennials – beispielsweise von Gutscheinen für Funsport-Aktivitäten weniger begeistert sein. Leistungen zur Gesundheitsvorsorge, Reisegutscheine oder Gutscheine für dem Alter angemessene Tagesausflüge werden dagegen mit großer Wahrscheinlichkeit sehr gut ankommen. Es gilt also, ein System an Prämien und Anreizen zu erstellen, das die Wertschätzung des Unternehmens gegenüber seinen älteren Angehörigen ausdrückt und ihnen das Gefühl gibt, dazuzugehören.

Mit ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz können ältere Angestellte die Erfolgsgeschichte jeder Art von Unternehmen mitschreiben. Und nicht nur das: Sie sorgen auch für Vielfalt in der Belegschaft und helfen dem Unternehmen so dabei, die Diversität der Gesellschaft intern widerzuspiegeln. Alles, was sie dafür verlangen, ist die richtige Art der Anerkennung und etwas Zeit für eigene Interessen.

 

Drei Fragen an Sophie Belval-Sautelet

Ältere Arbeitnehmer leisten auch bei Circles, einem Unternehmen von Sodexo, das sich auf Concierge-Services spezialisiert hat, einen wichtigen Beitrag. Sophie Belval-Sautelet, Vice President Human Resources bei Circles, spricht über ihre Erfahrungen.

 

Welche Rolle spielen ältere Arbeitnehmer bei Circles in Frankreich?

Sophie Belval-Sautelet: Ältere Mitarbeiter zwischen 53 und 65 Jahren machen etwa 13 Prozent unserer Belegschaft aus. Sie arbeiten sowohl in Teilzeit als auch in Vollzeit. Zum größten Teil sind sie vor Ort in den Firmen eingesetzt, die unsere Concierge-Services nutzen. Viele der älteren Mitarbeiter, die neu dazukommen, suchen nach einer Tätigkeit, bei der sie auch im Ruhestand noch aktiv sein können. Andere kehren durch uns ins Berufsleben zurück, denn Sodexo unterstützt Gruppen wie FACE (Fondation Agir Contre l’Exclusion) und Force Femmes, die Menschen helfen, welche von einem Ausschluss aus der Arbeitswelt bedroht sind.

 

Welche Bedürfnisse haben ältere Arbeitnehmer?

Diejenigen, die sich für das Teilzeitmodell entscheiden, möchten ihre Arbeitszeit flexibel bestimmen können und genug Zeit für Kinder und Enkelkinder haben. Am Arbeitsplatz haben sie jedoch keine besonderen Bedürfnisse.

Attraktiv ist für sie unser relativ familiäres Arbeitsklima und – entgegen aller Klischees – die Möglichkeit, neue Technologien und Kommunikationsformen kennenzulernen.

 

Was bieten ältere Mitarbeiter dem Unternehmen?

Sie bringen jede Menge Erfahrungen mit, kennen den Unternehmensalltag und sind sehr engagiert und zuverlässig. In dieser Gruppe ist die Fluktuation geringer, da diese Mitarbeiter nicht nach neuen Karrierechancen suchen. Sie arbeiten äußerst gerne mit anderen zusammen, helfen den Kollegen und geben mit Freude ihr Wissen weiter. Außerdem tragen sie zu mehr Diversität bei – ein echter Vorteil für das Unternehmen.

 

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